21-07-2017 

Das zweite Leben

Bei einem Verkehrsunfall zog sich Steve Neudeck lebensgefährliche Verletzungen zu. Mit dem Rettungshubschrauber wurde er nach Göttingen geflogen. Dort verbrachte er mehrere Wochen im Koma. Die Ärzte nahmen mehrere Operationen vor. Seit 24. September befindet sich der Neunzehnjährige im Reha-Zentrum.

Steve Neudeck befand sich am 31. August auf der Heimfahrt von der Nachtschicht im Werzalit Niederorschel nach Leinefelde. Kurz vor Hausen passierte das Unglück. Fassungslos nahmen seine Eltern Heike und Mike, Brüderchen Felix, Freunde und Bekannte sowie die Fußballer des Leinefelder Sportclubs die schlimme Nachricht zur Kenntnis. Die Kicker erfuhren es kurz vor Abfahrt zum Punktspiel nach Arnstadt. Fußball wurde zur Nebensache.

Wochen-, ja monatelang bangten alle um das Leben von Steve Neudeck. Nur seine Eltern durften ihn in Göttingen besuchen. Fortschritte waren kaum erkennbar, wobei die Operationen gut verliefen. Als er am 24. September in das Reha-Zentrum nach Sülzhayn bei Nordhausen verlegt wurde, sollte das sein Leben positiv beeinflussen. In den ersten Tagen schliefen die Eltern mit in der Klinik, damit Steve Vertraute in seiner Nähe hatte.

Und ein Wunder geschah. Täglich macht er Fortschritte. Die Anwendungen schlugen an. Das Gedächtnis kehrte zurück. Mittlerweile weiß er wieder alles, was vor dem Unfall geschah. Die Sprache wird immer besser, die Bewegungsübungen sprechen an. Der Abiturient kann wieder laufen. Ärzte und Betreuungspersonal staunen über die Fortschritte des Patienten. Auch seinen geliebten Bruder Felix konnte er endlich in die Arme schließen.

Einen unglaublichen Willen entwickelt der Fußballbegeisterte. Bald ist er wieder der Alte. Sein Freund Alexander Bodo gestaltete das Zimmer mit zahlreichen Erinnerungsfotos. Vorgestern besuchten ihn Fußballer des Sportclubs. Sie schenkten ihm einen Fußball und Torwarthandschuhe. Nicht nur symbolisch. Steve Neudeck hat zwei große Wünsche, die er sich erfüllen möchte. Er will bald wieder im Tor stehen und ein Studium aufnehmen. Im sächsischen Leipzig schwebt ihm ein Lehramt für Naturwissenschaften vor. Beides will er in Angriff nehmen. Fleißiges, tägliches Üben ist Voraussetzung dafür.



Als Torsteher feierte er bereits große Erfolge. Mit den A-Junioren wurde er vor zwei Jahren Landesmeister und Landespokalsieger. Das schaffte im Eichsfeld zuvor keine Mannschaft. Er schaffte den Sprung in die erste Mannschaft. Im Trainingslager in Ershausen bereitete er sich auf die Landesklassen- Saison vor. Am ersten Spieltag in Schweina stand er zwischen den Pfosten. Es soll nicht sein letztes Spiel gewesen sein.



Mit seinem Freund Alexander Bodo wollte er eigentlich gemeinsam in Leipzig studieren. Es kam aber anders. Mittlerweile studiert der Niederorschler in Göttingen. Steve Neudeck zieht es aber weiterhin ins Sächsische. Im Oktober kommenden Jahres möchte er am liebsten anfangen.

Mit Alexander frönt er einem weiteren Hobby, der Musik. Der Besuch von weiteren Rock-Konzerten soll kein unerfüllter Wunsch bleiben. Und dem Computer will er sich auch wieder widmen. Seit gestern darf er Radio hören. Ein weiterer kleiner Fortschritt auf dem Weg zur Genesung.



Und am kommenden Wochenende soll er das erste Mal auf Besuch nach Hause dürfen. Darauf freut sich der Jugendliche, der im März seinen 20. Geburtstag feiert, ganz besonders. Seiner Mutter Heike verriet er, im nächsten Urlaub der Eltern möchte er mit von der Partie sein. Ein nicht ganz gewöhnlicher Wunsch in diesem Alter. Aber Steve Neudeck weiß, was er seinen Eltern und Großeltern zu verdanken hat. Sein zweites Leben hat begonnen. Er will es mit aller Konsequenz durchziehen. Er macht sein Ding.


Quelle: Von Jochen SCHEERBAUM 16.11.2007 TA


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